Die St. Jakobshalle in Basel bildet den Rahmen für die diesjährigen Weltcupfinalentscheidungen im Springen, in der Dressur und im Voltigieren. © CHI Classics Basel / Katja Stuppia
In Basel werden heuer vom 2. bis 6. April die Weltcupfinals im Springen, in der Dressur und im Voltigieren ausgetragen. Die St. Jakobshalle in der drittgrößten Schweizer Stadt am Dreiländereck zu Frankreich und Deutschland war bereits Etappe der abgelaufenen Weltcupsaison 2024/25 und wird im Mai auch noch den Eurovision Song Contest 2025 beherbergen.
Max Kühner als Einzelkämpfer
Lange Zeit konnten sich die österreichischen Sportler:innen in allen drei Disziplinen Hoffnungen auf ein Antreten machen. Für die Dressurreiterinnen Diana Porsche und Bettina Kendlbacher sollte es am Ende dann aber knapp nicht reichen. Österreichs Parade-Voltigierer Philip Clement war sogar schon im offiziellen Aufgebot der Finalteilnehmer angeführt, musste am Ende jedoch leider verletzungsbedingt absagen. „Meine Schulter ist nicht ganz ausgeheilt, und ich bin noch im Aufbautraining. Extrem schade, weil ich sehr gern dabei gewesen wäre, aber das ist derzeit zu früh“, gab sich Clement gegenüber der Pferderevue enttäuscht.
So wird heuer lediglich Max Kühner nach souveräner Qualifikation als einziger OEPS-Sportler an den Start gehen und um den Weltcupsieg kämpfen. Aber Kühner und der Weltcup – das war bisher immer eine ganz spezielle Geschichte.
Bereits 2009 hatte der Wahl-Tiroler, damals noch unter deutscher Flagge, zum ersten Mal die Finalteilnahme geschafft. Weil sich sein Pferd bei der Anreise verletzte, fiel für ihn der Start in Las Vegas jedoch leider aus. 2016 sollte es in Göteborg (SWE) dann endlich so weit sein, und mit ihm konnte nach 18-jähriger Pause wieder ein rot-weiß-roter Reiter bei der wichtigsten Indoorspringprüfung der Welt mitmischen. Für Kühner endete die Premiere mit Rang 14.
Im Jahr darauf klebte erneut Pech an den Stiefeln des Wahl-Tirolers. Beim Finale in Omaha (USA) verlor sein Cornet Kalua in der ersten Wertungsprüfung die Nerven, und das Turnier war für das Duo vorzeitig zu Ende.
2018 sagte Kühner als Nachrücker die Finalteilnahme ab, 2019 ging es wieder nach Göteborg, diesmal mit seinem damaligen Überflieger Chardonnay. Das Paar hatte vor der Finalrunde realistische Chancen auf einen Stockerlplatz, doch zwei Abwürfe ließen Kühners Träume platzen. Dennoch wurde es mit Rang 9 die beste Platzierung eines Österreichers seit 1998, als Hugo Simon mit seinem legendären E.T. in Helsinki (FIN) Achter wurde.
Das Finale 2020 in Las Vegas (USA), für das Max Kühner erneut die Qualifikation geschafft hatte, fiel coronabedingt ins Wasser. Leipzig (GER) 2022 begann zunächst sehr verheißungsvoll, am Ende wurde es dann aber doch wieder „nur“ Platz 9.
EIC Up Too Jacco Blue war schon beim Weltcupfinale 2024 in Riad Kühners kongenialer Partner im Pacours. © holcbecher.com
Hohe Erwartungen
2024 lief es in Riad genau umgekehrt: Kühner startete nach einem verhaltenen Beginn eine wilde Aufholjagd, die mit einem 7. Gesamtrang endete. Man kann gespannt sein, ob die heurige Weltcup-Story für den 51-Jährigen endlich das ersehnte „Happy End“ in Form eines Stockerlplatzes bringt. Selbstvertrauen dafür hat er ja bei seinem GCL-Sieg in Mexiko-Stadt, den er gemeinsam mit Katharina Rhomberg erringen konnte, ausreichend getankt.
Die Erwartungen des Weltranglisten-Achten sind nach eigenen Angaben "hoch". Und das völlig zurecht, immerhin setzt er in Basel auf seine aktuell besten Pferde: Up Too Jacco Blue und Elektric Blue. Beide springen seit Monaten auf absolutem Topniveau, die Vorbereitung sei allerdings nicht ganz optimal gelaufen, wie Kühner gegenüber der Pferderevue verriet: „Im Nachhinein betrachtet hätte ich mir mit beiden Pferden ein, zwei Turniere mehr gewünscht. Beide hatten eine ziemlich lange Pause davor und insbesondere Elektric Blue ist im Vorfeld jetzt nur zwei Turniere gegangen. Das letzte Turnier in 's-Hertogenbosch war noch nicht ganz so, wie ich mir das vorgestellt hätte, da hat es noch ein bisschen an der Feinabstimmung gefehlt. Aber ich denke, dass er erfahren genug ist, um trotzdem einen guten Job machen zu können.“ Die Bewerbe will Kühner wieder wie im Vorjahr splitten. „Ich habe vor, die Weltcupprüfung aufzuteilen, damit es nicht zu viel wird für jeden einzelnen.“
Für das Weltcupfinale in Basel wurde seitens der Veranstalter eine Null-Toleranz gegenüber tierschutzwidrigem Verhalten angekündigt. © CHI Classics Basel / Katja Stuppia
Strenge Abreit-Kontrollen durch Veranstalter
Hinter den Kulissen dürfte sich bei den Vorbereitungen für das Finalwochenende einiges getan haben. Wenn man all den Pressemeldungen, Kommentaren und Social Media Glauben schenken kann, dann dürften diese zwischen den Schweizer Veranstaltern und der FEI nicht ganz reibungslos abgelaufen sein. Die Verantwortlichen fürs Weltcupfinale hatten nämlich die Organisation „R-haltenswert“ als Kontrolleure eingeladen, um sicherzustellen, dass dem Tierwohl speziell auf den Abreiteplätzen, die sich hier in einer eigenen Halle befinden, Genüge getan wird. Hinter „R-haltenswert“ stehen André Hascher, ein Anwalt und Vorsitzender des Zuchtverbands für deutsche Pferde, sowie die Mitbegründerin des Dressurleistungszentrums Walldorf, Viktoria Auracher. Deren unabhängige Experten sollen den Teilnehmern ganz genau auf die Finger, besser gesagt auf Pferdemaul und Gebisse schauen.
Equine Quality Control wird diese Arbeit genannt. Über die Kompetenzen der dabei tätigen Fachleute gab es offenbar Auffassungsunterschiede. Denn die FEI wies in einer kürzlich erfolgten Aussendung explizit darauf hin, dass allein die FEI-Vertreter vor Ort als Verbindungspersonen zwischen den Qualitätskontrolleuren von „R-haltenswert“ und den FEI-Stewards fungieren werden. Dieser Ansatz soll garantieren, „dass alle Entscheidungen auf umfassenden Daten basieren und kontrolliert sowie verantwortungsvoll getroffen werden.“ Soweit also die FEI.
Was sich hinter diesen Floskeln tatsächlich verbirgt und wie Reiter:innen, Publikum, Medien und Social Media mit diesen Neuerungen umgehen, darauf kann man gespannt sein. Übrigens: Die Abreiteplätze können in Basel aus baulichen Gegebenheiten nicht vom Publikum betreten werden, allerdings werden Kameras Livebilder auf drei Big Screens im Ausstellungsbereich liefern.
Die Strategie des Veranstaltungschefs Dr. Thomas Straumann: „Wir wollen den Pferden die besten Bedingungen bieten, damit sie sich bei uns wohlfühlen. Das beinhaltet auch, dass wir genau hinschauen, die Einhaltung der Regeln überwachen und ein allfälliges Fehlverhalten melden sowie mit den uns als Veranstalter möglichen Mitteln ahnden.“ Starke Worte – den Praxistest gibt es in den nächsten Tagen!
Programm
Mittwoch
19.30 Uhr Eröffnungsfeier
20.45 Uhr Auslosung der Startreihenfolge Dressur, Springen, Voltigieren
Donnerstag
20.15 Uhr Weltcupfinale Springen - 1. Teilbewerb (Zeitspringen)
Freitag
13.30 Uhr Weltcupfinale Dressur - Grand Prix
20.15 Uhr Weltcupfinale Springen - 2. Teilbewerb (Springen nach Fehlern und Zeit mit Stechen)
Samstag
10.45 Uhr Weltcupfinale Voltigieren - Technik Test
19.30 Uhr Weltcupfinale Dressur - Grand Prix Kür
Sonntag
08.00 Uhr Weltcupfinale Voltigieren - Kür
14.00 Uhr Weltcupfinale Springen - 1. Finalrunde (Springen nach Fehlern)
16.30 Uhr Weltcupfinale Springen - 2. Finalrunde (Springen nach Fehlern)
Alle Start- und Ergebnislisten gibt es hier.